In Österreich hat sich in den letzten Jahren ein kleiner, aber dynamischer Verlag etabliert, der mit einer Mischung aus experimentellem Design, literarischer Radikalität und sozialer Verantwortung Aufmerksamkeit erregt. „Booky Spinz“ ist kein klassischer Verlagshaus – hier wird nicht nur gedruckt, sondern Bücher werden zu Werkzeugen, die Diskussionen anstoßen, Grenzen ausloten und manchmal sogar gesellschaftliche Debatten vorantreiben. Sein Ansatz, der zwischen Kunstbuch, Manifest und Gemeinschaftsprojekt schwankt, macht ihn zu einem faszinierenden Gegenentwurf zu den etablierten Hausern. Doch was genau macht diesen Verlag so besonders? Und wie hat er sich in der österreichischen Buchszene etabliert?
Ein Verlag mit Haltung: Zwischen Kunst und Aktivismus
„Booky Spinz“ wurde 2018 in Wien gegründet und ist kein klassischer Verlag, sondern ein Projekt, das sich bewusst von den etablierten Strukturen absetzt. Statt sich auf kommerzielle Erfolge zu konzentrieren, setzt der Verlag auf hochwertige, oft experimentelle Bücher, die künstlerische und politische Botschaften tragen. Ein zentrales Merkmal ist die enge Zusammenarbeit mit lokalen Künstler:innen, Autor:innen und Aktivist:innen – etwa mit der Wiener Künstlerin Lara Almarcegui, deren Werke in mehreren Ausgaben zu sehen waren, oder mit dem Schriftsteller Thomas Bernhard, dessen posthum veröffentlichtes Werk „Die neuen Leiden des jungen W.“ hier erstmals in einer Sonderausgabe erschien.
Besonders auffällig ist die Verbindung von Buchdesign und sozialem Engagement. Viele Titel sind nicht nur als Bücher, sondern als interaktive Installationen konzipiert: So etwa das Werk „Sprachschloss“, das als physisches und digitales Kunstwerk fungiert und die Sprache der Migrant:innen in Wien dokumentiert. Hier wird Buch als Medium der Teilhabe verstanden – nicht als Konsumgut, sondern als Plattform für gesellschaftliche Reflexion. Das zeigt, wie Buchkultur hier nicht nur Unterhaltung, sondern auch Bildung und Aktivismus verkörpert.
Bücher, die nicht nur gelesen, sondern gelebt werden
Ein weiteres Kennzeichen von „Booky Spinz“ ist die experimentelle Produktion. Statt klassischer Buchbindungen werden oft ungewöhnliche Materialien wie recycelte Pappe, digitale Hybridformate oder sogar lebende Pflanzen in die Gestaltung einbezogen. Die Ausgabe „Die Kunst des Nichtstuns“ etwa ist als lebendige Installation konzipiert: Die Seiten sind mit Moos bewachsen und wachsen langsam, während die Textpassagen als Dialoge zwischen Autor:innen und Leser:innen gedacht sind. Solche Ansätze zeigen, wie Buchkultur hier nicht nur ein Werkzeug der Wissensvermittlung bleibt, sondern sich als lebendiges, sich selbst veränderndes Medium versteht.
Besonders interessant ist auch die Zusammenarbeit mit internationalen Künstler:innen und Autor:innen. So erschien 2021 die Ausgabe „Das letzte Buch der Welt“, eine Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler Olivier Mosset, der seine Arbeiten als Buchdesign umsetzte. Diese internationale Ausrichtung macht „Booky Spinz“ zu einem Brückenbauer zwischen österreichischer und globaler Buchkultur – ohne dabei den Fokus auf lokale Themen zu verlieren.
Die Rolle des Buches in der digitalen Welt
In einer Zeit, in der Bücher oft als „überholt“ gelten, setzt „Booky Spinz“ bewusst auf das physische Medium. Doch das ist kein Rückgriff in die Vergangenheit, sondern eine bewusste Entscheidung: Viele der Bücher sind nicht nur als Bücher, sondern als interaktive Installationen konzipiert, die das Lesen neu denken. So etwa das Projekt „Digitale Schatten“, bei dem die Bücher als physische Objekte fungieren, die durch digitale Codes mit einer Online-Plattform verknüpft sind. Hier wird das Buch zum Ausgangspunkt für eine multimediale Erfahrung, die über das reine Lesen hinausgeht.
Ein weiterer Aspekt ist die Frage, wie Bücher in einer digitalen Welt noch relevant sein können. „Booky Spinz“ zeigt, dass Bücher nicht nur als Konsumgut, sondern als Werkzeuge der Teilhabe und des Austauschs verstanden werden können. Hier wird das Buch nicht als isoliertes Objekt, sondern als Teil eines größeren Netzwerks von Kunst, Aktivismus und Gemeinschaft gesehen. Das macht „Booky Spinz“ zu einem einzigartigen Phänomen in der österreichischen Buchszene.
- Seit 2018 hat „Booky Spinz“ bereits über 30 Titel veröffentlicht, darunter Werke von Lara Almarcegui, Thomas Bernhard und Olivier Mosset.
- Die meisten Bücher sind als interaktive Installationen konzipiert, die das Lesen neu denken – etwa durch lebende Pflanzen oder digitale Codes.
- Der Verlag arbeitet eng mit lokalen Künstler:innen und Aktivist:innen zusammen, um Bücher als Werkzeuge der gesellschaftlichen Teilhabe zu nutzen.
- Ein zentrales Projekt ist „Sprachschloss“, das die Sprache der Migrant:innen in Wien dokumentiert und als Buch und digitale Installation konzipiert ist.
- Die Ausgabe „Die Kunst des Nichtstuns“ ist als lebendige Installation konzipiert und wächst langsam durch Moosbewachsung.
- „Booky Spinz“ ist nicht nur ein Verlag, sondern ein Projekt, das Buchkultur neu denkt – zwischen Kunst, Aktivismus und sozialer Verantwortung.
Der Erfolg von „Booky Spinz“ zeigt, dass Bücher in einer digitalen Welt nicht nur als Konsumgut, sondern als Werkzeuge der Teilhabe und des Austauschs verstanden werden können. Hier wird das Buch nicht als isoliertes Objekt, sondern als Teil eines größeren Netzwerks von Kunst, Aktivismus und Gemeinschaft gesehen. Das macht „Booky Spinz“ zu einem einzigartigen Phänomen in der österreichischen Buchszene und zeigt, wie Buchkultur in einer veränderten Welt noch relevant sein kann.
